HISAC SUMMERCAMP
Das Summercamp stand von meiner Sicht aus zuerst unterkeinem guten Stern, da ich leider erst spät zu den anderen stoßen konnte. Als wir endlich in Tollendorf waren, war meine Freude um so größer und meine ungebrochene Motivation flammte weiter auf. In den ersten Tagen warteten wir noch auf Fiete und Stee, die sich bereits vor meiner Ankunft angekündigt hatten. Fiete war bereits dort gewesen, aber mußte in etwa eine Woche vor unserer Ankunft
wieder zurück nach Hamburg. Ich weiß nicht warum, es war wohl wichtig. Am zweiten Tag setzte ich mich dann hin und schrieb an dem Track Wortverbindungen. Nach einigen Stunden war die dritte Strophe fertig. An der ersten Strophe nahm ich noch einige Veränderungen vor, die ich aus alten Fragmenten, der Anfangsversion des Textes, zog. Mein Versuch bei einer Gemeinschaftsaktion scheiterte an meinem Wissen über unangenehme Köpfe im
Fernsehen, da Namen nicht meine Stärke sind. Ich war richtig froh, daß dieser Text endlich fertig war.
Wir saßen oft in der Sonne herum und einige Tage später kündigten sich Fiete und Stee endlich an. Pe wollte sie vom Bahnhof abholen und ich zog mir meine Schuhe halb an, so daß ich damit laufen konnte und sprang in den Bulli. Am Bahnhof in Hitzacker standen wir dann zwangsläufig am Bahnübergang und warteten, daß der Zug nun endlich durchfahren würde. Er kam wie erwartet und ich sagte zu Felix: "Sag mal, könnte das nicht vielleicht sogar der Zug sein,
mit dem die zwei Gauner kommen?" Daraufhin mußte er herzlich lachen und entgegnete nur: "Das ist der Zug in dem Fiete und Stee sitzen, hier fahren nicht so oft Züge durch!" Mit einem Lächeln auf dem Gesicht kamen die Zwei auf uns zu, als wir vor dem Bahnhof parkten. In diesem Moment war es fast schon wieder egal, daß sie fast zwei Tage später kamen als angekündigt. Nur die Zeit blieb verloren. In den folgenden Tagen entwickelte sich das Camp zu einer
sehr produktiven Station. Von allen Seiten her kam der alte Kern zusammen und auch neue Gesichter waren dabei, ich eingeschlossen. In den Folgetagen entwickelte sich ein reges Treiben im Haus, welches ebenfalls eine Zeitverschiebung mit sich brachte. Einem Ernährungswissenschaftler hätten wir mit Sicherheit nicht erzählen dürfen, daß wir zwischen 12 Uhr und 1 Uhr Mittag aßen. Es ging immer in die Nacht hinein und das wirklich weit. Egal, wir hatten Spaß an unserer Arbeit so wie immer. Hier störten uns keine anderen Verpflichtungen und Dinge, die einfach nur unwichtig waren.
Wichtig war uns nur Musik und dieZusammenkunft unter einem Dach. Das hat uns sehr viel gebracht. An einem Tag wollte ich schreiben und mir ein ruhiges Plätzchen suchen, aber das war in keiner Ecke des Hauses zu finden. Im alten Zimmer von Pe standen zwei Rechner und an einem von beiden schien immer
ein Beat zu laufen. In der Küche war es auch nicht leiser, da der Ghettoblaster von Stee von der Veranda dröhnte. Im Vorraum vom Studio baute Serious gerade einen neuen Beat. Und im Studio nebenan wurde grad aufgenommen. Und das war sogar draußen zu hören. Also ging ich in das Zimmer von Bazillus Pe und holte mir den Karton, an dem ich ständig saß, da er ein guter Schreibtisch war. Wenig später warf ich meinen Campingstuhl aus DDR-Zeiten hinein und meinen Textblock. Mein MD Player verschwand in meiner Hosentasche und ich ging direkt aus der Eingangstür geradeaus auf das
unbewirtschaftete Feld bis zu einem Punkt, von welchem ich dachte, daß er ideal ist. Ich stellte den Karton hin, den Klappstuhl dahinter und legte das Textbuch auf den Karton. Kopfhörer aufgesetzt, den MD Player eingeschaltet, den Beat auf endlosschleife gestellt und sich durch die fast zwanzig Seiten Textskizzen kämpfen. Nach eineinhalb Stunden war ich fertig. Ich ging zurück in das Beatgewirr des Hauses. Viele hatten sich in dem Zimmer von Pe versammelt und ich setzte mich erneut hin und schrieb. Ich arbeitete an einem Chorus für Zeitergebnis, da mich der Text ohne dies nicht zufrieden stellte. Ich fühlte mich
gut, als ich auch damit fertig war und wußte, daß dies die richtige Entscheidung war. Danach folgte noch die dritte Strophe des Textes Wortentwicklung und damit war ich vorerst zufrieden.
Eines Morgens kündigte sich die Radiosession an. Am Abend kamen viele Leute vorbei, die ich schon einige Zeit lang nicht mehr gesehen hatte. Die Stimmung war ohne Ausnahme positiv, lange Weile gab es in den vergangenen Tagen nur selten, wenn wir auf etwas warten mußten, wie zum Beispiel auf ein Zeitfenster
zum aufnehmen. Zum Schluß hin wurde diese Zeit, zwischen den Aufnahmen unerwartet immer knapper und Pausen gab es schließlich auch nicht mehr. Der Tafeldienst war irgendwann am späten Abend endlich fertig und ich war an der Reihe. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich bereits über einen Tag lang gewartet. Gegen 7 Uhr in der Frühe war ich fertig und Ivoree schlief mit dem Kopf halb auf der Tastatur. Der Aufnahmeschluß erlöste ihn. Am nächsten Tag begannen Fiete Flowkid und Slowmotion Te am Abend mit ihrer Aufnahmesitzung. Wir kochten gegen zwölf wie bereits erwähnt und dumpf waren die Beats bis in die Küche zu hören. Draußen gewitterte es, aber als ich mit Pe vor dem Hauseingang stand, sahen wir nur Blitze, die Wolken von innen her rot beleuchtet und kein Donner war zu hören. Dieses Schauspiel riß nicht ab und zog uns in seinen Bann. Die Grillen zirpten laut und unablässig und nach einer Weile gingen wir wieder ins Haus. Den Abend hatte ich in der Dunkelheit auf Blitze gewartet, ich wollte wenigstens einen vernünftigen sehen. Hinter mir brannte das Licht im Studio,
worin Fiete und Ramon immer noch mit der Aufnahme beschäftigt waren. Irgendwann ging ich ins Bett. Ich wurde wach und nach wenigen Momenten, da ich klar denken konnte, kam mir Stee aus dem Studio entgegen. Er sagte nur,
daß ich aufwachen soll und daß sie mich brauchen würden. Also stieg ich in meine Klamotten und durchschritt die Tür, hinter der mich der Aussage nach jemand erwartete. Es stimmte! Fiete gab mir ein Blatt mit zwei Zeilen und meinte, die solle ich in französischem Akzent runterleiern. Insekt trottete in die
Gesangskabine und nach so einigen Takes war das Ding endlich im Kasten. Ramon meinte dazu, man hätte zusehen können, wie ich von einer Zeile zur anderen mehr und mehr wach wurde. Das war auch so und bei dem letzten Satz brauchten wir nur einen einzigen Take und der war perfekt.
An jenem Tag war Aufnahmeschluß, da die Summercamp Jam an diesem Abend laufen sollte. Nach einigen kleinen Vorbereitungen ging die dann auch wie angekündigt an den Start. Mir hat der Abend sehr gut gefallen, auch wenn nicht so viel Publikum den Weg bis nach Neu Tramm finden wollte. Aber da
waren sie ja noch, die Jungs, die unsere Begeisterung erneut Wachrüttelten. Die Zwei kamen an jenem Abend extra aus Stade und brachten noch einen halben Kasten Becks mit. Sie kannten alle downloads, das PeTe Album und alle Texte auswendig. Nur leider wären die Zwei an dem Abend nicht mehr nach Hause gekommen und daher wollten sie im Auto schlafen. Insekt erklärte
sich als Fahrer bereit, da er nichts getrunken hatte, was nicht heißen soll, daß alle anderen sturzbesoffen waren. Wir waren schließlich auch mit mehreren Autos da. Fiete bemerkte noch, daß es das erste Mal sei, daß er mit mir fahren würde und er war mein Navigator, denn ich konnte nichts sehen, es war stockfinster und es gab keinerlei Orientierung bis auf Fiete. Daheim bei Felix
ging es sofort in die Federn und am nächsten Morgen zerstreuten wir uns nach einem ausgiebigen Frühstück wieder in alle Himmelsrichungen. Fazit war, daß dies die schönste Gemeinschaftssitzung war und wohl auch die Effektivste. Es sind so einige neue Tracks entstanden und auch Ideen für weitere
Projekte.
So soll es 2006 eine Wiederholung des Hisac Summercamps geben, bei der hoffentlich auch die Summercamp EP fertig gestellt werden kann.
Autor: Insekt One 2006 Hisac Homes